15 Jahre SHG für Leberkranke und Lebertransplantierte

10.05.2012 22:39

     Die beiden Begleitärzte FA Dr. Rainer Hubmann und OA Dr. Andreas Maieron

 

Im Loft des Linzer Traditionshotels Landgraf feierte die Selbsthilfegruppe für Leberkranke und Lebertransplantierte OÖ ihr 15jähriges Bestandsjubiläum. Motto der Jubiläumsveranstaltung:  „Die beleidigte Leber“

Ein historischer Rückblick und zwei interessante Vorträge der beiden Linzer Hepatologen  OA Dr. Andreas Maieron vom Krankenhaus der Elisabethinen Linz und des Linzer Internisten  Dr. Rainer Hubmann standen an diesem Abend auf dem Programm.  Dr. Maieron referierte über die neuen Therapiemöglichkeiten bei der Behandlung von Hepatis C und B, bei Leberzirrhose und Leberkrebs. Der Vortrag von Dr. Hubmann beschäftigte sich mit der neuen Volkskrankheit „NASH“.  Den kulinarischen Abschluss bildete ein leberfreundliches Büffet auf der Terrasse des Lofts, mit einem herrlichen Blick auf die Linzer Kulturmeile an der Donau.

 Stolze Bilanz des Gruppengründers

„Die vielen ungerechtfertigten Vorurteile gegenüber Menschen mit der Leberkrankheit  Hepatitis C, der geringe Informationsstand in der Bevölkerung und auch bei den Ärzten, sowie meine eigene Erkrankung haben mich damals bewogen, diese Gruppe zu gründen“, so Hubert Kehrer über seine Beweggründe für die Gründung dieser Selbsthilfegruppe. Motiviert hat mich dazu mein Arzt OA Dr. Franz Hackl vom Krankenhaus der Elisabethinen, der unsere Gruppe bis 2008 begleitete. Leider hat Dr. Hackl, den viele Patienten als Arzt und vor allem als Mensch sehr schätzten, den Kampf gegen seine schwere Krankheit verloren und ist im November 2008 verstorben.

„Wir haben gemeinsam mit den Oberösterreichischen Hepatologen und vor allem mit großer Unterstützung unserer Begleitärzte in den 15 Jahren viel erreicht“, kann Gruppenleiter Hubert Kehrer auf eine positive Bilanz verweisen.

Mehr als 1.000 OberösterreicherInnen haben in den vergangenen 15 Jahren die Hilfe unserer Selbsthilfegruppe auf verschiedenste Art und Weise in Anspruch genommen.  Dazu gehörten neben den monatlichen Treffen die Beantwortung von Anfragen via Telefon, e-Mails oder unserer Website. Möglichkeiten für den Informations- und Erfahrungsaustausch zu schaffen, gehörte ebenfalls zu meinen Aufgaben. Für medizinische Fragen standen uns in den letzten Jahren vor allem unsere Begleitärzte OA Dr. Maieron, Dr. Rainer Hubmann und OA Dr. Robert Buder (KH der Barmherzigen Brüder) zur Verfügung. Darüber hinaus galt es viele Vorträge zu medizinischen, sozialen oder arbeitsrechtlichen Themen zu organisieren. Weiters standen noch zahlreiche gemeinsame Ausflüge auf dem Programm.

Die Betreuung von Menschen mit Hepatitis C stand  aber im Vordergrund, da dieser Virus erst zu Beginn der 90er-Jahre nachgewiesen werden konnte.  So konnten wir durch verstärkte Aufklärungsarbeit gemeinsam mit namhaften Hepatologen und Gastroenterologen die Oberösterreichische Bevölkerung informieren und so viele Ängste und Vorurteile , die lange Zeit mit dieser Infektionskrankheit in Verbindung gebracht wurden, abbauen.

Gemeinsam mit anderen  Österreichischen SHGs haben wir erreicht, dass bei den Menschen, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Plasmaspenden mit dem Virus infiziert haben, Hepatitis C als Berufskrankheit anerkannt wird. Das war insofern von großer Bedeutung, da sich daraus sich ein gesetzlicher Anspruch auf eine Versehrtenrente ableitet, die für viele Menschen eine große Hilfe bedeutet, vor allem für jene, die auf Grund ihrer Krankheit ihren Beruf nicht mehr ausüben können und mit einer niedrigen Pension ihren oder gar den Lebensunterhalt ihrer Familie bestreiten müssen. Auf die Befreiung von der Rezeptgebühr haben  Menschen mit einer chronischen Hepatitis B oder C einen rechtlichen Anspruch. Diese Befreiung gilt aber nur für die Medikamente, die für die Behandlung dieser beiden Krankheiten vom Arzt verschrieben werden. Darüber hinaus ist die Hepatitis – Impfung (A und / oder B) für Hepatitis C – Patienten kostenlos. 

Aufgabenschwerpunkte  für die Zukunft

In der Bevölkerung ein Bewusstsein für die neue Volkskrankheit NASH zu schaffen, die zahlenmäßig auf Grund der Lebensgewohnheiten stark im Kommen ist, das wird ein Schwerpunkt unserer zukünftigen Aktivitäten sein.  

Viele Menschen wissen noch immer nicht, wie und bei welcher Gelegenheit sie sich mit dem Hepatits-Virus angesteckt haben. Eine Möglichkeit  sind Studios, die beim Tätöwieren oder Piercen es mit der Hygiene nicht so genau nehmen. Wir wollen gemeinsam mit der Wirtschaftskammer OÖ ein Projekt starten, hygienisch einwandfreie Gewerbebetriebe mit einem Gütesiegel auszuzeichnen. In Wien läuft bereits ein Pilotprojekt mit großem Erfolg.

Die Menschen, die sich beim Plasmaspenden angesteckt haben, bekommen eine finanzielle Entschädigung. Die Gruppe von Betroffenen, die in einem Krankenhaus im Rahmen einer Operation oder durch eine Bluttransfusion angesteckt wurden, hingegen noch immer nicht. Da gilt es eine Lösung zu finden, wie man auch diese große Gruppe von Menschen finanziell entschädigen könnte.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit wird auch weiterhin die Betreuung von Menschen sein,  die vor einer Lebertransplantation stehen oder bereits erfolgreich transplantiert worden sind.

Zahlreiche Gäste als Gratulanten

Viele Vertreter anderer Selbsthilfegruppen waren der Einladung zur Geburtstagsfeier gefolgt. An der Spitze Manuela Rentenberger, die Geschäftsführerin von „Selbsthilfe Oberösterreich“, dem Dachverband der Selbsthilfegruppen.  Weitere Gratulanten waren Maria Fellner, Leiterin der SHG für Leberkranke und Lebertransplantierte in Salzburg, Karl Münzner vom  Österr. Verband der Herz- und Lungentransplantierten / SHG OÖ, Helga Ortbauer und Maria Kuritko vom Verein Diaplant, Renate Besenmatter, Leiterin der SHG Leonding der OÖ. Diabetikervereinigung.